FLUID, 2022

  • Melissa Goebel – So täg

    Ich bin, wie viele Personen in meinem Umfeld, eher sensibel, wodurch ich im Alltag auf viele fordernde Situationen treffe. Im Rahmen dieser Projektarbeit habe ich mich genauer mit dem Thema Sensibilität beschäftigt und meine Erlebnisse in einen Kurzfilm gepackt. Die Animation «So Täg» erzählt die Geschichte einer Figur, die einen miesen Tag hat. Alle Ereignisse und Gefühle stauen sich im Laufe des Tages an und bleiben in Form von Farbflecken auf ihrem Körper haften. Am Ende des Tages kommt sie nach Hause und wird durch die angesammelten Tränen wieder reingewaschen und kann sich dadurch erholen.

    Lea Neuenschwander – Selbstgespräch

    Irgendwie scheine ich fluid zu sein. Je nach Person, mit der ich spreche, verhalte ich mich anders. Ich analysiere den Charakter meines Gegenübers von der ersten Begegnung an. Ich passe mich an. Zeige vor allem diejenige Seite, welche mit meinem Gegenüber am meisten übereinstimmt. Während des Sprechens frage ich mich manchmal, was ich da gerade von mir gebe. Ich erkenne mich selbst nicht wieder: Ich bin das nicht. Ich bin nicht so. Oder doch? Dieses Gefühl habe ich in meinen fragmentierten, unscharfen Selbstportraits visuell umgesetzt.

  • Nora Grütter – Für mich und Dich

    Dieser Kurzfilm behandelt zwischenmenschliche Probleme des Zusammenlebens in einer jungen Wohngemeinschaft in einem Kammerspiel- inspiriert durch Filme wie «Gott des Gemetzels». Die Spannungen entzünden sich primär an einer Person. Die Situation weitet sich aus und eskaliert. Die Herausforderung im Projekt bestand darin, im Drehort Küche mit einem elaborierten Drehbuch und professionellen Schauspiel eine glaubwürdige Situation zu erschaffen, mit welcher sich die Zuschauer identifizieren können.  

    Sophie Wagner – Soft

    Unbestimmt, nicht greifbar, anders. Ich be-schäftige mich mit Formen und deren gesellschaftlichen Identifizierungen. Mein finales Produkt zeigt eine Auslage von Versuchen und weiterentwickelten Objekten, die im Verlauf der letzten Monate entstanden sind. Meine Objekte sind ausnahmslos von weichen weiblichen Formen geprägt, die jedoch durch vereinzelt männliche Elemente aufgebrochen oder irritiert werden. Im Gesamtbild entsteht eine eigene kleine Realität von wiederkehrenden Formen und Farben, aber auch von hängenden und stehenden Elementen. Sie sorgen für ein dynamisches Zusammenspiel.

  • Bajrami Blerta – Wache

    Ich bin in einer Klinik als Nachtwache tätig.  Meine letzte Routine ist immer dieselbe, um 23:00 Uhr gehe ich schla­fen. Ich ziehe das Bett an, putze meine Zähne und mache mich bereit fürs Bett. Ei­nes nachts hat eine Klientin einen medizinischen Notfall sprintet zum Pikettzimmer. Das Haus ist sehr ringhörig, manchmal erkenne ich die Person an den Schritten. Ich erinnere mich an das laute Klopfen gegen meine Tür und wie sie die Türklinke immer wieder herunterdrückt. Das Video erzählt von diesem Vorfall.

  • Nicolas Schärer – Die Flut

    Fluid ist Kraft. Fluid ist Wucht. Fluid ist Dynamik. Zu finden sind diese Attribute in diversesten Katastrophen. Ich interessiere mich bei dem Projekt für die wohl einschneidendste Katastrophe der Zukunft; dem Klimawandel. Mit meinem Projekt möchte ich einen Blick in die potenzielle Zukunft ermöglichen und das übergrosse Thema nahbar machen. Dazu verwende ich ein 3D-Modell der Stadt Bern, welches ich mit einer grünen Flüssigkeit fluten lasse.

  • Jennifer Jordan – Social Anxiety

    Was für den Einen eine entspannte Situation ist, kann beim Anderen bereits eine Angst auslösen. Mit diesem Projekt visualisiere ich das Finden der inneren Ruhe und die Fluidität der eigenen Emotionen. Gefühle sind wandelbar und der sich immer wiederholende Loop inszeniert den langen Prozess, seine eigenen Ängste zu überwinden.

    Aline Haller – Treten Sie ein

    Mit meinem Projekt will ich die Fluidität von Textilien vermitteln. An sich sind sie nicht flüssig, weisen aber dennoch eine gewisse Fluidität auf. Mein textiler Türrahmen ist im Sturz zusammengewürfelt aus komplett unterschiedlichen Stoffen und Strickwaren und man kann sehr gut erkennen, wie sich jedes Stück anders verzieht und seine Form verändert. An den Leibungen sind die Stoffe dann nicht mehr gespannt, sondern fallen gerade nach unten. Hier kommt nun eine weitere, diverse Fluidität der Textilien vor. Im Gesamten entsteht ein Durchgang in die Aula, wie eine zweite Türe, durch die man zu gehen hat. Trete ein!

  • Jonathan Roggli – Der Letzte

    Wasser ist Grundvoraussetzung für alles Leben. So sind wir alle vom Wasser abhängig. Doch nur wenige ziehen sich ihren Lebensunterhalt daraus. Einer davon ist Johannes von Gunten, der einzig verbliebene Berufsfischer auf dem Thunersee. Dieser Dokumentarfilm porträtiert Johannes bei seiner täglichen Arbeit. Er erzählt, wie er von der stockdunklen Nacht in die Dämmerung hinein allein auf dem Wasser unterwegs ist, bei bescheidenem Ertrag. Beim Fische Ausnehmen sinniert er wehmütig, dass er auf diesem See vielleicht der Letzte seines Berufstandes ist.

    Joel Amrhein – Erosion

    Die Installation befasst sich mit der Wahrnehmung. Meine Skulptur wird durch Wassereinfluss verändert und ist somit zu jedem Zeitpunkt mit einem anderen Erscheinungsbild wahrnehmbar. Mit der Wandlung des Kegels wird den Betrachtenden eine fluide Ansicht präsentiert. Auf diesen Prozess habe ich keinen Einfluss.

    Leonard Ehrenzeller – Grissini Volanti

    Bei einer Murmelbahn muss man immer rea-gieren. Die Murmel geht nicht den Weg, den du willst. Du kannst sie nicht steuern. Sie geht der Schwerkraft nach und du bist nur ihr Gehilfe. Bei der Keramik ist es ähnlich. Es gibt Dinge, die nicht möglich sind. Wenn beides kombiniert wird, entsteht eine fragile Murmelbahn, die schwebt und Musik spielt. Meine Bahn ist durch Extrusion (Pressung) entstanden.

    Valerie Afangbedji – Traces

    Fluid nehme ich als ständig fortlaufende Bewegung und als etwas Unumgängliches in unserer heutigen, globalisierten Welt wahr. Diverse Kulturen vermischen sich, was zur Folge hat, dass sich viele Einzelpersonen nicht mehr ausschliesslich einer kulturellen Gruppierung zugehörig fühlen. Durch meine beiden kulturellen Hintergründe beobachte ich dieses Phänomen mein ganzes Leben. Anhand von Objekten aus meinen Reisen nach Togo und alltäglichen Situationen, versuche ich der Vermischung beider Kulturen näherzukommen. Ein Druck auf einer afrikanischen Holzschnitzerei ist eben nicht nur ein Druck auf einer afrikanischen Holzschnitzerei, sobald die Geschichte oder der kulturelle Gebrauch hinter dem Objekt erkannt wird öffnen sich Welten.

    Louis Gilgen – Tape Movement 01

    Durch drei Tonbandgeräte werden zusammengeklebte Magnet-Tonbänder gespielt. Die mit digitalen Synthesizern bespielten Bänder bewegen sich verlangsamt durch die Tonabnehmer und erschaffen eine synergetische Klangwelt mit LoFi-Qualitäten. Die Bänder bewegen sich auf der vertikalen Achse in die Tiefe und Höhe, nehmen ihren Platz im Raum ein. Sie ziehen wie Ameisenstrassen auf Augenhöhe an den Betrachter:innen vorbei, es kurbelt, zieht und rattert. Durch die unterschiedlichen Tonbandlängen entstehen ewig neue Klangwelten.

    Elena jenzer – Blu Scuro

    Vor dem Wasser haben viele Menschen Angst. Ich gehörte früher auch dazu. Durch diesen persönlichen Bezug erstelle ich eine Arbeit, in der das Wasser eine wichtige, wenn auch nicht die wichtigste Rolle spielt. Aus meinen experimentellen Papierarbeiten in Aquarell, mit der Nass-in-Nass-Technik, entsteht meine Serie. Die einzelnen Stücke wirken als Gesamtinstallation und nicht als einzelne Werke. Die Serie BLU SCURO ist abgeschlossen.

  • Anja Rothenbühler – Wenn Ton zu Bild wird

    Hattest du beim Musikhören auch schon mal das Gefühl, dass du Farben, Formen und Bewegungen sehen kannst? Während meinem langen Prozess bin ich auf das Lied «Uwao» des Duos Oha Aho gestossen und hatte genau dieses Synästhesie- Phänomen. Verschiedenste Farben und Formen tanzten vor meinem inneren Auge durch und ich konnte mir genau vorstellen, wie die einzelnen Klänge aussehen würden. In meiner Animation «Wenn Ton zu Bild wird» zeige ich meine Visionen zum Stück.

    Fabienne Baeriswyl – Daydreams

    Das Schweifen zwischen der Realität und der Fantasie- das Tagträumen verbinde ich mit dem Begriff Fluid: In einem Moment bin ich im Schulzimmer und höre der Lehrperson zu, ich sitze im Zug und blicke ins Nichts oder bin in meinem Zimmer und mache Aufgaben. Im nächsten Moment bin ich in einer anderen Welt. Stehe auf einer Brücke oder in der Nähe des Wassers, begegne Unmengen an Menschen an einem Festival. Meine Illustrationen versuchen, den Tagträumen eine Gestalt zu geben.

    Roman Schmutz – Unbetitelt

    Die Videoinstallation beschäftigt sich mit der Veränderung von Wahrnehmung eines vertrauten Objektes durch Fragmentierung und Deplatzierung. Die Neuanordnung der visuellen und auditiven Fragmenten schafft eine neue verfremdete, abstrahierte Identität.

  • Sofie Schwarz – Distorted

    Fast jede Person kennt es, sich vor dem Spiegel zu drehen, anzusehen und regelrecht auf den Moment zu warten, bis einem irgendetwas auffällt, das einem nicht passt. Ich will mit meinem Video ein Bewusstsein für die Problematik der gestörten Selbstliebe und des verzerrten Selbstbildes schaffen. Dieses Problem ist allgegenwärtig und es wird wohl auch nicht abnehmen. Gerade die jüngere Generation erschafft sich ihre unrealistischen Selbstbilder durch unerreichbare Ideale durch Social-Media. Dieses Gefühl der Unsicherheit und des verzerrten Selbstbildes wird durch die Verformung meines Körpers im Spiegel verbildlicht.

    Liv Strässler – Flowing constructions

    Für mich steht Fluid in der Architektur für schwungvolle Formen und abgerundete Elemente. Das Geb.ude hat eine fliessende Wirkung, wenn mein Auge den Konturen folgen kann, ohne von Ecken und Kanten abgelenkt zu werden. Ich habe nach Geb.uden gesucht, welche diese Wirkung bei mir erzielen und sie fotografisch festgehalten. Dabei habe ich darauf geachtet, Ausschnitte zu wählen, die diesen Aspekt hervorheben. Ich entschied mich für die Schwarzweiss Fotografie, weil dadurch die Gebäudeformen optimal zur Geltung kommen. Bei der Bearbeitung habe ich hauptsächlich mit Beleuchtung, Kontrast und Tiefen gearbeitet.

  • Tamara Schorro – IT’s not that bad

    Körperdysmorphe Störung (KDS) – eine psychologisch diagnostizierbare Störung, bei der Betroffene körperliche Mängel an sich sehen, die in Wirklichkeit kaum oder gar nicht vorhanden sind. In meinen Worten: Es findet eine Verformung des Selbstbildnisses im eigenen Gehirn statt. Was mich betrifft, sehe ich Mängel und Makel an mir, welche, je länger ich hinschaue, immer grösser zu werden scheinen. Also ein negatives fluides Selbstbild. Meine Arbeit besteht aus einer digital gezeichneten Animation, welche abstrahiert darstellt, was ich sehe. Diese Selbstbilder werden durch einfache Eingriffe erweitert.

  • Luc Bonnard – Verdreht

    Mein Video ist der Versuch, das Thema der Legasthenie und der Fluidität der Buchstaben grafisch darzustellen. Da ich selbst Legasthenie habe und von diesem Thema selbst betroffen bin war es mir wichtig die Verwirrung und die Komplexit.t der Buchstaben sichtbar zu machen. Der mit der Zeit verschwimmende Kontext der Buchstaben zeigt, wie verwirrend und missverst.ndlich Buchstaben sein k.nnen. Die Farbüberlagerungen und die Dreidimensionalität die dadurch entsteht, ergibt ein spannendes sinnfreies Bild.

  • Joana Gianini – Abate

    Kunst hilft ordnen. Das Musikvideo ist mein Werkzeug, um den Verlust einer guten Freundschaft zu verarbeiten. Dies geschieht auf der visuellen, akustischen und verbalen Ebene. Ich konnte dadurch loslassen. Meine visuellen und akustischen Elemente, die ich einsetze, beschäftigen sich mit dem Verhalten des Menschen im Wasser. Ich beobachte die Schwerelosigkeit des Körpers und die Unterdrückung der Geräusche.

  • Joanna Wydler – Speaking Nature

    Die Natur verkörpert für mich Attribute der Fluidität. Wir leben eine sehr einseitige Beziehung zur Natur. Alles was wir haben, ist nur möglich, weil wir immer tiefer in die Natur eingreifen und diese ausbeuten. Die kulturell fluide Zeit und der Klimawandel werden in unserer Gesellschaft immer stärker wahrgenommen. Ich merke, dass starre Grenzen und Kategorien nicht mehr zeitgemäss sind. Langsam verstehen wir Grundlegendes. Ist das der Zeitpunkt, wo wir von der Natur lernen müssen? Meine Videoarbeit nähert sich dieser Frage.

    Leon Probst – Fäderliecht

    Jedes Bild ist eine Emotion, die ich in den letzten drei Jahren verspürt habe oder immer noch fühle. Jedes Bild sucht eine Erinnerung an meinen Vater, als er noch über die Erde lief, Holz zu kunstvollen Tischen, Bänken, Katzenleitern oder Betten verarbeitete, seinen Mitmenschen ein Lächeln schenkte, mit Beat Feuz mitfieberte oder in der Küche ein leckeres Gericht für die, die gerade da waren, zubereitete.

  • Annkathrin Gross – Encore

    Wir alle haben Erinnerungen an Ereignisse oder Momente, die uns sehr wichtig sind. Und wir alle kennen es auch, wenn solche Erinnerungen verblassen und verschwimmen. In meiner Arbeit spiele ich mit dieser Thematik. Ich habe mit Fotos aus meiner Kindheit gearbeitet, diese zuerst manuell unkenntlich gemacht und danach in ein Video eingearbeitet. Mit der Vergr.sserung und den Verformungen zeige ich, wie meine Erinnerung an diese Tage unschärfer und verzerrter werden. Die Eindrücke werden durch ein Kinderlied untermalt, welches ich damals aufgenommen hatte und heute neu eingespielt habe.

  • Valentin Tethong – BeWater

    Art imitates Life. IIch streife mit der Kamera durch die Gegend,  in der

    Hoffnung ansprechende kleine Momente einzufangen. Anschliessend animiere

    ich diese mittels Tracing/Rotoscoping. Ich verstehe mein Video unter anderem als

    eine Hommage an traditionelle Schweizer Amateurfotoalben.

    Für den Ton sample ich modalen Jazz aus den 60ern. Dabei stütze ich mich auf

    die Arbeit von Leuten wie J Dilla, Havoc, Statik Selecta oder RZA. Ausserdem ergänze

    ich mit kleinen Zitaten aus der Popkultur, welche einen prägenden Einfluss

    auf mich hatten und welche ich mit der Welt teilen möchte.

  • Joshua Schaller – Drums

    Musik hat das Prinzip des Fluiden in sich: Töne fliessen harmonisch zu einer dynamisch klingenden Melodie zusammen. Ich persönlich finde, auch mit dem als hart definierten Schlagzeugspiel können tanzende Sticks eine Komposition als fliessend- groovig rüberkommen lassen. Die Drumset-Eigenkomposition wird mittels einer minimalistisch gehaltenen Animation zu einem digitalen, fluiden Produkt modifiziert.

    Lias Hess – Havarie

    Die Bildsammlung «Havarie» ist ein Produkt aus chemischen Eingriffen an Fotopapier und maschinellem Lernen. Das Projekt stellt die Frage, inwiefern sich auf einer Fotografie die Realität abbildet und wie diese sich beeinflussen lässt. Mit Hilfe von unterschiedlichen analogen und digitalen Eingriffen wie Säuren auf Fotoemulsion, Mehrfachbelichtung und künstlicher Intelligenz bleibt vom Originalbild eines Busches nicht mehr viel übrig. Die bewusst provozierten Unfälle kreieren neue Bildwelten, die sowohl visuell wie auch durch die technische Entstehung einem Schiffsunglück gleichkommen.

  • Vivian Rentschler – Tränenfluss

    Weinen wird in unserer Gesellschaft nicht gerne gesehen und daher oft unterdrückt oder verborgen. Trotzdem oder deswegen fasziniert, wie der Körper dieses austretende Fluid produziert. Während knapp sechs Minuten kann man mich ungestört aus naher Distanz beim Weinen beobachten. Und stellt sich vielleicht die Frage, was der Auslöser für die Tränen sind. Durch den starren Blick, den undefinierbar Hintergrund und den fehlenden Ton findet man keine Antworten auf diese Frage. Es ist den Betrachtenden überlassen, wie sie die Situation interpretieren.

  • Gionina Kruger – Gender kann fluid sein

    Was macht uns zur Frau, was zum Mann, was zu nichts von dem? Wie entsteht eigentlich Gender? Im Kopf oder im Körper? Wie fluid ist Gender? Mich interessiert, was in anderen Köpfen zu diesem Thema vor sich geht. Ich habe viele Fragen, die ich Menschen stellen will. Ich beschäftige mich diesbezüglich täglich mit meinen Gedanken, Problemen oder Fragen. Wie fühlen sich andere? Wie wichtig ist ihnen ihr Gender? Was sind ihre täglichen Konflikte, in denen sie sich befinden?

    Nicole Häberl – Andere Welten

    Die Videoinstallation beschäftigt sich mit der Veränderung von Wahrnehmung eines vertrauten Objektes durch Fragmentierung und Deplatzierung. Die Neuanordnung der visuellen und auditiven Fragmenten schafft eine neue verfremdete, abstrahierte Identität

    Noëmi Henkel – Tu te Souviens?

    Aufstehen. Gewickelt in der Bettdecke. Und die Garderobe des Vorabends ist gleich mit dabei. Hier dauert es keine zwei Stunden, um sich einzukleiden und wie Aphrodite auszusehen. Inspiriert von den fliessenden Stoffen der Antike, bringe ich die alte Kunst des Drapierens in die Gegenwart. Die glänzenden Satintücher, welche wie «Wasserschwalle» aus den eingearbeiteten Löchern treten, haben eine gewisse Absurdität, die auch im Video zu sehen ist.

    Claudine Schnider – The hanging movement

    Ein Teilchenmodell der Aggregatzustände. Fest, flüssig oder gasförmig. In meiner Installation sind die kleinsten Teilchen eines Stoffes, also Atome, Moleküle oder Ionen hängende grüne Schwämme. Je nach Zustand der Umgebung und natürlichen Einflüssen sind diese verschieden in ihrer Bewegungsgeschwindigkeit. Bei Witterung, welche das Rutschen meiner Schwämme am Nylonfaden auslöst, bekommt jeder Schwamm seinen ganz eigenen Platz im Raum. Ziel meiner Arbeit ist es, das Raumvolumen Schritt für Schritt zu füllen, Fluidität in den Raum zu bringen, leben und Bewegung zu schaffen.

  • Lyne Baumann – Splash

    Wenn der Geist sein logisches Denken aufgibt, kommt der fluide Zustand auf. Dabei wird nicht mehr oder nur sehr schwer kontrolliert, was gerade gedacht wird und alles fühlt sich sehr träge an… Kann dieser Zustand durch längeres Anschauen eines Videos erreicht werden? Mit einer Nahaufnahme und dem Verschwimmen des Randbildes in den Kurven versuche ich, dieses fluide Wahrnehmen in den Köpfen der Betrachter zu evozieren.

    Julia Salome Gass – Cupido libido – versatility of concupiscene & it’s expression

    Eine Bilderreihe aus bemaltem Altstoff, bemalt mit Acrylfarblack (Sprühfarbe) und Layoutstiften. Wo fängt unsere Sexualität an? Beim Swipen auf Tinder? Beim Masturbieren? Wir reden über Sexualität, offener als jemals zuvor. Was behalten wir aber für uns? Immernoch sind viele Stigmatas und Tabus rund um dieses Thema. Auch wenn es um Pornografie geht, sind wir scheu und doch konsumiert es ein Grossteil von uns. Sexualität als etwas Fluides, Vielfältiges, und Abwechslungsreiches. Ich habe versucht, vielfältige Sexualitäten von Personen in meinem Umfeld darzustellen, in dem ich sie miteinbezog.

  • Eleonora Schöpfer – E(n)motion

    Emotionen dienen als Trägerwellen für das gesamte Spektrum der Gefühle; eine Art Energie, die sich fliessend bewegt und durch den Tanz gefühlt und freigesetzt wird. «e(n)motion», ein Wortspiel zwischen «emotion» und «in motion» (in Bewegung), ist ein Tanzvideo-Projekt, das den Song „Tequila shots by Kid Cudi“ begleitet und durch die TänzerInnen Thilakchiya Gonesanathan, John Pharaon und Anaïs Reymond frei improvisierend getanzt wird.

    Fekrije Vejseli – Heshtja

    Heshtja bedeutet auf Albanisch Ruhe. In der Halle ist es still, ich bin die Einzige. Eine kleine Bewegung und das Licht im Korridor geht an. Wieder warten, bis es dunkel wird und nur noch das grelle Licht des Fluchtwegschildes glüht. Warten, Ruhe bewahren. Die Halle ist am Tag belebt, in der Nacht ist sie wie eine unbespielte Bühne. Wegweisungen, Veloständer, alles weist auf Menschen hin. Und doch ist dort niemand. Erstarrte Fluidität.

  • Sara Schmid – Flechtwerk

    In meiner Arbeit verbinde ich zwei meiner grössten Leidenschaften: das Stricken und die Bewegung. In der Videoarbeit gehe mit meinem Körper auf mein gestricktes Netz zu, lehne mich hinein und mache Löcher. Ich spreche über meine Empfindungen und Handlungen und lasse trotzdem vieles offen. Der luftleere Raum verstärkt die Verbindung zwischen mir und dem Netz, da uns nichts ablenkt. Die Intimität wird durch das Flüstern verstärkt.

    Anja Drexler – Blacked out

    Ich entwickle eine Objektserie, bei welcher die Fluidität des Materials sowie die Veränderung durch ein zusätzliches Material – Heissleim – untersucht wird. Durch Hitzeeinwirkung entsteht bei den Objekten eine bewegte Formveränderung und es ist spannend, das Verhalten der Materialien im fluiden sowie im erstarrten, nonfluidem Zustand zu beobachten. Mit der Heissleimpistole gebe ich einigen Objekten eine neue Oberfläche. Eingefärbt sind die entstandenen Objekte mit schwarz glänzender Farbe, so dass man die Serie als eine neue, verfremdete Einheit begreift.

  • Mascha Greco – Gender is over

    Wie wissen Menschen, dass ihre Genderidentität mit ihrem bei der Geburt zugeordnetem Geschlecht übereinstimmt? Wie wissen sie, wenn es dies nicht tut? Fühlst du dich klar als Frau oder als Mann? Wenn ja, gibt es Gefühle oder Momente, an denen du das festmachen kannst? Wird mein Gender von aussen bestimmt? Genderfluiditität kann eine Antwort auf all diese Fragen sein. Anstatt diese Fragen einmalig und definitiv zu beantworten, gibt es die Möglichkeit, dass sich diese Fragen immer wieder anders und aufs Neue beantworten lassen, da Genderidentität nicht statisch, sondern dynamisch, fluid ist.

    Dominik Zbinden – Brocken

    Meine Arbeit ist eine Hommage an Josef Müller-Brockmann, ein Pionier und Aushängeschild des Swiss Style. In Zürich setzten sich damals in den Sechzigern die fixen Typoraster durch. Ergänzt durch reduzierte Formensprache und Max Miedingers Schriftart Helvetica, entstand eine formale Prägnanz. Klares, geordnetes und strukturiertes Design war die Folge. Meine Schrift BROCKEN ist ein Resultat aus meiner experimentellen Grundlagenforschung. BROCKEN verbindet fixe Layoutraster mit gestalterischen Freiheiten und fluider Typografie.

    Jan Schöni – Wasser du nicht siehst

    Wir alle brauchen täglich viel mehr Wasser, als man denkt. Das uns meist verborgene, sogenannte virtuelle Wasser möchte ich den Betrachtern vor Auge führen und zu einem effizienteren Ressourcenverbrauch anregen. Der Wasserverbrauch drei ausgewählter Lebensmittel ist in realem Volumen und anhand von Holzwürfeln visualisiert. Die Würfel wiederum sind mit Mengenangaben und einer Illustration beschriftet. Die Würfelseiten sind mit einem Wellenmuster besprayt. Verschiedene Farben unterscheiden dabei drei Unterkategorien von Wasser. Das Design wirkt leicht und lässt dem Holz viel Leerraum.

  • Nuria Quick – Momentum

    Wasser wirft Spiegelungen an die Hallenbaddecke. Der Anblick fasziniert mich. Ich möchte den Anblick reproduzieren. Bewegungen erzeugen Wellen auf der Wasseroberfläche. Ich möchte den Anblick festhalten. Die Spiegelplatte wirft Spiegelungen an die Raumdecke. Ich habe den Anblick reproduziert. Die Gipsabdrücke erzeugen eine Wasseroberflächenoptik. Ich habe den Anblick festgehalten. Flüchtige Momente festhalten zu wollen, ist ein gängiger Wunsch. Ebenso besteht der Wunsch, Momente zu erschaffen, die man festhalten möchte.

    Mira Cavegn – Stauraum

    Bei dem Thema Fluid interessiert mich weniger das Flüssige und Bewegliche, dass man darunter verstehen kann. Es ist viel mehr das Zusammenspiel von zwei Gegenstücken, die reibungslos miteinander funktionieren und somit harmonieren, welches mich anspricht. Das Sideboard hält durch ein Stecksystem zusammen und benötigt daher keine Schrauben. Dadurch ist es leicht auf- und abbaubar und benötigt wenig Platz im Umzugswagen. Die Steckerleiste, welche sich an der Seite befindet, wird durch die magnetischen Schrauben befestigt. Sie bietet einen Ladeplatz für mehrere elektronische Geräte. Die Masse des Gestells orientieren sich an der Harassengrösse.

  • Alex Geiser – Ununterbrochen

    Wir haben uns an sie gewöhnt. Sie durchschneidet Landschaften wie ein Narbengewebe und hinterlässt Dreck und Lärm. Der Fluss von Autos hört nie auf, immer mehr und immer schneller. Der Mensch muss in Bewegung bleiben. Vernetzt mit der Welt, zerstört seinen Lebensraum. Ununterbrochen immer weiter. Ununterbrochen ist der Strom aus Fahrzeugen. Ununterbrochen unser Wille nach mehr. Schnell, schnell, schnell – ununterbrochen in die Zukunft.

  • Tara Trachsel – Panta Rhei

    Das Rauschen des Flusses hat auf den Körper und den Geist eine beruhigende und entspannende Wirkung. Das Repetitive und Stetige im Rauschen macht das Geräusch eines Flusses so beruhigend. Man braucht keine Angst vor ungewollter Veränderung zu haben. Kein Anfang und kein Ende ist zu hören, was dem Geräusch eine Illusion von Ewigkeit und Unendlichkeit erschafft. Ich wandere die Rhone von Gletsch bis zum Mittelmeer ab, ein Projekt, das ich bereits vor einiger Zeit  begann und in Zukunft weitergeführt wird. Im Rahmen des Abschlussprojekts habe ich eine Performance realisiert, welche das parallele Gehen zum Flusslauf thematisiert. Diese wird im Video dokumentiert.

Wenn der Soziologe Zygmunt Bauman in seinem Buch «Liquid Modernity» Flüchtigkeit und Flüssigkeit als Metaphern verwendet, um das Spezifische unserer Gegenwart zu beschreiben, entwirft er das Bild einer fluiden Welt, in der – unter anderem beeinflusst durch Globalisierung, Migration, Digita-lisierung und Klimawandel – Stabilität, feste Zugehörigkeiten, Bezüge und Normen, rasch voranschreitenden Veränderungs-prozessen und grenzüberschreitenden Durchlässigkeiten weichen. Wenn etwas fluid ist, wandelt es sich ganz allgemein ge-sprochen im Gegensatz zum Festen und Beständigen kontinuierlich, es formiert sich im Dazwischen und ist momenthaft und flüchtig. Das die von Bauman beschriebene fluide Lebensreali-tät, in der wir uns bewegen, vielfältige Chancen und Herausfor-derungen auf die Gestaltung unser Umwelt und die Konstruk-tion unserer Identitäten hat, versteht sich von selber. So müssen nicht nur Websitelayouts sich flexibel an das Endgerät ihrer Benutzer:innen adaptieren, urbane Räume durchlässig, multifunktional und von unterschiedlichen Akteur:innen nutzbar oder Institutionen agil sein, um auf Verän-derungen zu reagieren, sondern auch von uns Menschen wird eine grösstmögliche situationsbezogene Anpassungsfähigkeit an sich wandelnde Bedingungen verlangt. Fluidität liegt als Thema in der Luft und bietet sowohl als Auseinandersetzung mit flüssigen und flüchtigen Materialphänomenen als auch als Konzept inhaltlich sowie gestalterisch ein enormes Potential. Unsere Schüler:innen haben dieses Potential in ihren Abschlussprojekten in ganz unterschiedlicher Weise ausgelotet und befragt.

VALÉRIE AFANGBEDJI geht in ihrer Videoarbeit «Traces» der Frage nach ihrer Herkunft und Zugehörigkeit nach. Als Tochter eines togolesischen Einwanderers und einer Schwei-zerin kennt sie sich damit aus, verschiedene kulturelle Ein-flüsse in sich zu vereinen. Valérie Afangbedji lässt uns daran teilhaben, wie sie anhand von Reisen nach Togo mitgebrach-ten Objekten und Situationen aus ihrem Alltag versucht, den kulturellen Verflechtungen ihrer Identität näherzukommen. Im Video sieht man zum Beispiel, wie sie mit ihrer Schwester ein von ihrem Vater zubereitetes Gericht isst oder wie ein auf einem schwarzen Schemmel stehender Tintenstrahldrucker ein Dokument druckt. Der Drucker bildet zusammen mit dem aus Holz geschnittenen Taburett, das in Togo heilig ist und nur für wichtige Zeremonien oder Feste benutzt wird, ein sonderbar stimmiges Gebilde.

LEONARD EHRENZELLER  lässt in seiner Rauminstallation «Grissini volanti» Kindheitserinnerungen anklingen. Die aus Ton gepressten, glasierten Murmelbahnrampen schlängeln sich schwebend durch den Raum. Rollen die von den Betrach-tenden in Gang gesetzten Murmeln hinunter, wird die Murmelbahn zum Klanginstrument, es ertönt ein fliessendes Zirren, das durch das ganze Gebäude hörbar ist.

SOPHIE WAGNER übergiesst, taucht und füllt in ihrer Arbeit «Soft» verschiedene Alltagsmaterialien wie Wollfäden, Kniestrümpfe und nicht aufgeblasene Luftballons mit Gips und flüssigem Wachs. Ihre durch Materialexperimente entstande-nen Objekte hängen tropfenartig von der Decke und stehen – manche erinnern an Stalagmiten – auf einem Sockelelement. Die fliessende sich mit den Trägermaterialien verbindende Masse aus Gips oder Wachs ist zu festen Körpern erstarrt, de-ren Oberflächen weich wirken und von Prozess des Herunterrinnens erzählen.

Marietta Schenk