NORM, 2019

  • Sina Lerf – Überfluss

    Iris Nufer – Ich bin

    Filzstift auf Fotografie

    Ich bin gegossen. Ich wurzle. Ich wuchere. Ich wachse. Ich blühe. Ich breite aus. Ich entfalte. Ich gedeihe. Ich bin Farn am Boden. Ich bin Philodendron im Wohnzimmer. Ich bin Tiefenbachia neben dem Kamin.

    Ich winde mich im Netz. Ich bin gefangen. Ich gehöre frei. Ich hänge. Ich linse durch Maschen. Ich bin verheddert. Ich bin ein guter Fang.

     Ich bin Hausfrau. Ich bin Wäsche im Ofen. Ich werde aufgehängt. Ich trockne. Ich bin Tischtuch. Ich bin Kissen. Ich bin weich. Ich bin bequem. Ich bin Sthul. Ich bin hölzern. Ich bin alt. Ich bin eine Sitzgelegenheit.

  • Sara Wandfluh – Marionette

    Marionetten-Animation, Adobe After Effects, Photoshop CC, PaintTool Sai, Magix Video Deluxe Plus 2016

    Eine junge Frau betritt die Metro, sie ist auf dem Weg zu einem Abendessen mit Freunden. Schon bald greift sie zu ihrem Smartphone und kommt ins Stolpern. Da geschieht Merkwürdiges. Die junge Frau hat plötzlich vier Arme, die um Hilfe rudern. Kurz vor der nächsten Station hat sie sich wieder gefasst. Alles ist wieder normal. Wirklich?

    Eine kurze Animation zum Thema Norm. Was ist normal? Wann irritiert uns etwas? Und warum?

     

  • Melanie Gerber – Norma

    Veränderung des Kontextes, traditionelle Illustration/Photoshop

    Was, wenn Rot das neue Schwarz wäre? Würde ich dann eines Wintertages durch die Gänge des Bahnhofes schreiten und mit Schrecken feststellen, dass ich die Einzige bin, die einen schwarzen Mantel trägt? Es wäre doch fast ein bisschen ironisch, wenn ich in einem Meer von leuchtend roten Mänteln mit meinem diskreten Schwarz auffallen würde.

    Doch ich glaube, der Wandel der Zeit ist genau dies. Es herrscht ein ständiger Wechsel der Sitten und Normen, welche uns prägen und welche wir täglich mitgestalten. Wenn dies auch schleichend und langsam passiert, so werden wir doch mehr oder weniger unbewusst von den sich wandelnden Normen erfasst. Meine kleine Geschichte erzählt davon.

  • Oleksandra Gorshevikova – Emoji

    Animation, ClipStudioPaint, Masse 1920 x 1080 px

    Emojis sind im Zeitalter der digitalen Kommunikation nicht wegzudenken. Sie dienen dazu, knapp und einfach Gefühle und Eindrücke zu übermitteln. Aber Emojis treffen den Nagel nicht immer auf den Kopf, zu standardisiert und vereinfachend ist ihre Form.

    Ich habe mich damit befasst, was verschiedene Emojis für mich persönlich bedeuten. Was fühle ich, wenn ich ein Auberginen-Emoji bekomme? Wie sieht die Situation um mich herum aus, wenn ich einen traurigen Emoji verschicke?

    Den standardisierten Emojis setze ich mit meiner Arbeit meine persönlichen Kommentar gegenüber. Differenziert. Und nicht verallgemeinerbar.

     

    Lukas Meyer – Die Geschichte meiner Nachbarin

    3D-Comic-Installation

    Sexismus ist Scheisse! Da sind sich alle einig! Und wenn man an Sexismus denkt, ist der Böse meist der Mann. Statistisch gesehen stimmt das. Andersherum widert es aber genauso an! Ich selbst wurde als Mann von meiner Nachbarin bedrängt.

    In meiner Comic-Installation versuche ich, auf teils humorvolle Art zu erzählen, wie es dazu kam. Schwarz auf Weiss. Kurz und bündig. Die 3D-Installation soll die Betrachtenden mit den räumlichen Verhältnissen der Geschichte vertraut machen und die Handlung nachvollziehbar erzählen. 

  • Basil Gilgen – I wish you were here

    Kurzfilm, 1920x803px, 4min

    Ein junger Bursche, ein weisser Citroën GS und die graue Strasse unter den Rädern. Wo geht die Reise hin und wer wünscht sich, dass jemand da wäre? Der Protagonist, das Setting und das Vehikel, es stimmt irgendwie nicht überein. Da taucht noch eine ältere Dame auf. Und trotzdem geht die Geschichte am Ende auf. Ein Kurzfilm, der sich mehr mit Gegensätzen als mit Normen beschäftigt. 

  • Dominic Hurni – GENESIS IN D MINOR

    Kurzfilm, Hi-8

    In meinem Kurzfilm inszeniere ich mich selbst und stelle meine Persönlichkeit der Norm kritisch gegenüber. Durch die jeweils kurz eingeblendeten Kindheitsaufnahmen entsteht ein Aufbau bis hin zum Höhepunkt, wo mein gegenwärtiges Ich gezeigt wird.

     

  • Basil Studer – Es Cuba

    Malerei, Mischtechnik, 80x100cm (Bildformat), 216x427cm (Wandformat)

    Mit meinem Projekt will ich den Kontrast zweier verschiedener Erscheinungsbilder auf Kuba aufgreifen und darstellen. Zum einen die oberflächliche, touristische Sichtweise, welche die Sonnenseite des Landes wahrnimmt. Zum anderen die tiefgründigere Sichtweise, welche an der Oberfläche kratzt und sich auch die Schattenseiten des Landes bewusst ist.

    Als Gesamtwerk vereint, verwischen sich die Kontraste und stehen sich gleichzeitig gegenüber, so wie es auch innerhalb des Landes der Fall ist.

    Rahel Müller – soft!

    Modedesign/Fotoinszenierung, Baumwolle/Daunen, A2

    Die Daunenjacke. Ein Kleidungsstück, welches mittlerweile von fast allen Menschen getragen wird. Schulkinder, Büroleute, Bauarbeiter. Besonders wuchtige Daunenjacken werden verwendet, um sich in der Flut von Daunenkleidern abzuheben. Ein Statement um den Oberkörper zu betonen. Doch was passiert, wenn wir das Volumen der Daunen in einem Bustier integrieren? Was, wenn wir schlanke Beine und eine zarte Taille mit Daunen umformen? Spannend, wenn man den optischen Aspekt des Materials vom Funktionalen trennt. 

  • Nadine Sterren – Schträtschä

    Modedesign/Fotoinszenierung, diverse Materialien, 3xA2

    Schträtschä, ein walliserdeutsches Wort, welches den Begriff Kleider umschreibt. Die typische Mode aus meiner Heimat, dem Wallis, dient mir als Grundidee meiner Kollektion. Sportlicher Stil vereint mit Tradition. Es ergeben sich Zusammenstellungen verschiedener Materialien mit diversen Kleidungsstücken. Passend dazu sind die Outfits mit alten Sneakers, Sportsocken und trendigen Sportbrillen.

    WIchtig ist mir dabei, dass die Kleider von Jedermann und der Jederfrau getragen werden können.

  • Lukas Lüdi – Lueg mi a

    Musikvideo, 1080p

    Unsere Gesellschaft, in der Kategorien, Wertungen und Normen bestehen lässt uns Menschen trotzdem die Freiheit, uns selber zu sein. Wer sind wir und warum? Wofür stehen wir und wohin gehen wir? Wie definieren uns ständig und stellen uns hoffentlich auch ein Leben lang in Frage.

    In meinem Musikvideo untersuche ich meine verschiedenen Ich's. Ich schlüpfe in Verkleidungen und bin doch immer ich.

  • Lucas Lenzin, Kevin Leuenberger – In the night

    5 Fotografien, 841x563mm

    Was für Geschichten erzählen diese Bilder? Wirken sie bedrohlich oder geheimnisvoll? Überirdisches Licht oder doch nur ein vorbeifahrendes Auto? Ungewohnte Bildinhalte lösen ein Gefühl der Verwirrung aus, der Blick bleibt hängen und muss geklärt werden. Mit unserer Fotoserie lösen wir Verunsicherung aus, weil die Betrachtenden sie nicht klar einordnen können.

  • Nora Asonda Zimmermann – Trio

    Objekt, Polsteraufbau mit konventionellen Polstermaterialien, je ca 90x45x45cm

    Ich bin Innendekorateurin und ich habe mich mit den unterschieldichsten Normen der Polsterei befasst. Durch einen ungewohnten Polsteraufbau wollte ich den Rahmen der traditionellen Vorstellung von einem Polster sprengen und eine neue Begegnung zwischen Objekt und Benutzer möglich machen. Mit der Zusammenführung der neuen und alten Entstanden sind drei Stühle, die nicht mehr zum Sitzen einladen.

  • Ana-Lea Muster – Skurril in Zuzwil

    Kurzfilm, Nikon D800, Premiere Pro

    Das Verhalten der Menschen wird durch unsere Normen sehr geprägt. Tanzen wir aus der Reihe, so werden wir sofort als merkwürdig betrachtet. Dies fällt besonders in einem kleinen Bauerndorf wie Zuzwil auf. Mit meiner Inzenierung will ich den Kontrast zwischen einem normalen Dorf und der Abnormalität darstellen. Ich inszeniere mich als verrückte, junge Frau, welche in einem typischen Schweuzer Bauerndorf aus dem Rahmen tanzt.

  • Eileen Hughes – Verschnürt, Verändert

    Mode, Kleidungsstücke, Ösen, 150x150x30

    Was ziehen wir heute an und wie ziehen wir's an? Wir drücken uns durch unsere Kleidung aus. Mit unseren Kleidern wollen wir etwas ausstrahlen. Doch was passiert, wenn man diese Ausstrahlung manipuliert?

    Mit bewusst platzierten Ösen und leichten Veränderungen im Schnitt, wurden die Kleidungsstücke in eine neue Form geschnürt und dadurch die Wirkung der Stücke verformt. 

  • Leoni Cavegn – Klapp*

    Produktdesign, Prototyp, Klappflyer

    Beim Klapp* handelt es sich um einen Wäscheständer, der sich aus einer Quaderform mittels Aufklapptechnik zu einem Wäscheständer in *Sternchen Form aufziehen lässt. Mit der kommenden Normalität "Leben auf kleinstem Raum", ist der Klapp* - Wäscheständer eine Alternative zu herkömmlichen Stewis. Er hat die Eigenschaft, dass er sich klein zusammenfalten und gut verstauen lässt. Gleichzeitig besitzt er die Ästhetik, eine Garderobe und Kleiderablage im Zimmer zu werden, für die man sich nicht zu schämen braucht.

    Deborah Baeriswyl, Rebecca Bernhard – Hoher Standart

    USM, Masse 350x52x52

    Ein System wie USM, welches bis ins kleinste Detail durchdacht ist, neu zu erfinden, war für uns keine Option. Es reizt uns, das System herauszufordern und aus den Standartvarianten ein Möbel zu entwerfen, welches den Rahmen der Norm sprengt.

    Entstanden ist ein Gestell, das zu hoch ist, um es zu nutzen. 

  • Luc Marty – Palettisierung

    5 Europaletten neu verleimt

    1200x800x144mm messen die weltweit verbreiteten Europaletten. 2011 waren schätzungsweise 400 Millionen Stu?ck im Umlauf. Tendenz steigend. Ein simples Objekt, nach welchem Maschinen, Container und ganze Lagerhallen gebaut werden. Verändert man eines genannten Masse oder sogar die Form der Paletten, verlieren sie ihren Zweck. Es entstehen individuelle Wesen, die sich der Norm entledigt haben. Ich habe versucht, die Objekte durch die Platzierung in ihrem Charakter zu stärken.

     

  • Michael Schlapbach – INFINITY PHILOMATH XYZ

    Mathematische Berechnung, Masse (relativ)

    Das Objekt, welches Sie sehen, lässt alles zu, was möglich ist und sein wird.

    Jegliche Norm und Gegennorm wird dabei verkörpert.

  • Anja von Niederhäusern – little fellow

    Zwei Objekte, 436x415x400cm

    Für Erwachsene gibt es eine Normgrösse für so viele Dinge. Für Kinder weniger. Die sich schnell verändernde Körpergrösse bei Kindern ist eine Herausforderung für Produktgestalterinnen.

    Ich entwickelte die Idee des "mitwachsenden" Hockers für Kinderzimmer und Krippen. Der Kinderhocker hat vier verschiedene Höhen von 20-33cm Dadurch ist der Stuhl ideal für Kinder zwischen 3-10 Jahren. Die Höhe lässt sich durch das Versetzen der Winkel in einen anderen Schlitz verändern.

Norm - oder was wir von Stiefmütterchen lernen können

In den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Linkshändigkeit brutal unterdrückt. Man unterschied zwischen der guten und der schlechten Hand. Mit Schlägen auf die linke Hand wurden Kinder am Schreiben gehindert, nicht selten wurde die böse Hand in der Schule an den Rücken gebunden. Der Schaden, der damit angerichtet wurde, lässt sich leicht erahnen. 

Ich hatte Glück. Bei mir war nur das Schreiben mit dem Füllfederhalter eine kleine Tortur. Die Norm, von Links nach Rechts zu schreiben, ging mir total gegen den Strich. Ich verschmierte alles Geschriebene. Kugelschreiber und Bleistifte waren meine Rettung. 

Normen sind allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Regeln für das Zusammenleben von Menschen gedacht. Für die Mehrheit der Menschen mag das gut sein. Schwierig nur, wenn man irgendwie aus der Norm fällt, weil man zum Beispiel kleinwüchsig ist und sich ein Leben lang im Alltag mit Problemen rumschlagen muss.

Thibaut Wenger nimmt sich dieser Problematik an. Er entwickelt einen Einkaufsroller mit integrierten Treppenstufen für kleinwüchsige Menschen. Mit einem ausgeklügelten Klappmechanismus lassen sich die Stufen vor den Regalen im Einkaufsladen ausfahren. Alles wird erreichbar. Entstanden ist ein ästhetisch ansprechender Prototyp. Noch ist er in Holz, eine Leichtbauweise in Metall ist angebracht. Klassisches Produktedesign, das eine Weiterentwicklung verdient hat. 

Ganz anders ist der Ansatz von Yuna Ammon. Als Goldschmiedin hat sie gelernt, Normen, wie den Feingehalt der Metalle und die Tragbarkeit der Schmuckstücke zu verinnerlichen.

Mit Materialexperimenten aus Kupfer und Silber entsteht ein neues Material, das keinen Edelmetallnormen entspricht. Die Autorin kreiert daraus eine Kollektion, die sich als versteifte Scharniere auf den Körper legen lässt. Wir erinnern uns an historische Rüstungen, die kupferne Farbe unterstützt diesen Eindruck. Da die verschiedenen Schmuckstücke nicht befestigt werden, sondern lose aufliegen, muss die Trägerin in einer bestimmten Körperstellung verharren, sonst fallen die Teile runter. Sowas verkauft sich kaum. Und doch liegt ein grosser Reiz in dieser Kollektion. Wer ist für wen da? Der Schmuck für den Körper oder umgekehrt? 

Wenden wir uns den Stiefmütterchen zu. Ein scheinbar genormtes, hübsches Veilchengewächs, das zu den beliebtesten Zierpflanzen gehört. Anspruchslos und bunt. Häufig auf den Balkonen anzutreffen. Beliebte Blume bei Grabbepflanzungen. Eine Blumensorte, die besonders bei älteren Damen beliebt sein soll. 

Zoe Althaus zeigt uns sechs Siebdrucke mit sechs Stiefmütterchen. Alle in Dunkelblau. Nur auf den ersten Blick sind sie alle gleich. Eine kleine feine Arbeit, die das Auge schärft und das Herz wunderbar erwärmt. Die Arbeit mag niedlich sein und doch steht sie symbolisch für etwas Grosses. Aus der Ferne betrachtet sind wir alle gleich. Und erst wenn wir uns den Individuen wirklich nähern, sehen wir die Unterschiede.

Thomas Manz